Der Jive
Takt: 4/4 - Tempo: 44 TpM
Geschichte:
Der Jive hat seine Wurzeln in den Südstaaten der USA. Als nach 1600 afrikanische Sklaven nach Louisiana und Mississippi gebracht wurden, verbanden sich ihre traditionellen Gesänge mit denen der Briten und der Cajun, den französischen Kolonisten, die seit der Eroberung durch England immer noch dort lebten. Daraus entstand ein bunter Mix aus verschiedensten Stilrichtungen und Musikarten. Als sich trotz des amerikanischen Bürgerkriegs die Situation der schwarzen Sklaven nicht deutlich verbesserte und manche Familien nun schon seit vielen Generationen die Leibeigenen weißer Farmer waren, fanden diese Menschen in der Musik ein Mittel zum Ausdruck ihres Protestes und ihrer Trauer. Dies war die Geburtsstunde des Bues. In den traurigen Südstaaten jener Zeit überlebte diese Musik viele Rassenunruhen und Stimmungswechsel. Die Grundader dieses Stils fand sich in vielen Tänzen wieder. Im bBack Bottom der zwanziger Jahre, im Swing der dreißiger Jahre und besonders im Jitterbug der 40ger. Während in Europa und im Pazifik der Krieg tobte suchte man in der Heimat und Fremde nach Möglichkeiten sich abzulenken, und fand diese im Jitterbug und im Boogie. Nach Ende des Krieges fand die musikalische Ader in der Ausprägung des Rock n' roll seinen allzeitlichen Höhepunkt. Erneut waren es in den Sechzigern englische Choreographen, die alle diese Tänze verbanden, und sie zunächst zähmten und dann behutsam umgestalteten. Heraus kam der lebendige aber immer noch elegante Jive, sozusagen als zivilisierte Variante all seiner Vorgänger. Seit dieser Zeit verdrängte der Jive die meisten seiner Vorgänger und gilt als moderner Repräsentant dieses alten Zeitgefühls. Man schätzt den Jive wegen seiner lockeren, zwanglosen Art und wegen seiner ungebändigten Lebensfreude.
Stil:
Der Stil des Jive ist eigentlich ziemlich einfach. Der Jive ist wohl der mitreißendste Tanz unter allen klassischen Paartänzen und dominiert durch seine einzigartige Synkope Rhythmik und Dynamik. Gerade eben diese Dynamik muss von den Tänzern sehr ausgeprägt performt werden. Es gilt jeden einzelnen Schritt mit voller Kraft auszutanzen, ohne dabei zu schleifen oder die Spannung zu verlieren. Alle Bewegungen des Jive werden mit einer starken Bounce-Aktion getanzt, dass heißt, der Tänzer setzt einen jeden seiner Schritte leicht von oben herab auf den Boden, wodurch der ganze Körper in eine leichte Hüpfbewegung gerät. Dies sieht nicht nur sehr lebhaft aus, sondern wirkt beinahe gesprungen. Die wichtigste Figur des Jive ist der Platzwechsel, der in vielen Varianten getanzt werden kann, beispielsweise mit Damendrehung oder Handtausch hinter dem Rücken. Dabei sind der Choreographie kaum Grenzen gesetzt, besonders dann nicht, wenn man sich auch noch der Elemente des Rock n' Roll, des Boogie oder gar des Lindy Hop oder Swing bedient. Auch sieht man besonders bei besseren Tänzern viele Swivels wie den berühmten Toe-heel-swivel oder die Chicken Walks, welche es in einigen Variationen gibt. Im Vergleich zu den anderen Lateintänzen fällt der Jive sehr aus der Rolle. Man merkt ihm seine nordamerikanische Herkunft sehr an, man erkennt zunächst kaum Verwandtschaften zu den kubanischen oder den afrobrasilianischen Tänzen. Ein weiteres Merkmal ist die Verwendung der Arme. Diese werden im Jive weit weniger bewusst eingesetzt als in den anderen Lateintänzen. Sie werden nicht als eigenständiges Element betrachtet, sondern dienen viel mehr der Unterstützung des Körpers. Im Vergleich zu anderen Tänzen sind die choreografischen Möglichkeiten des Jive etwas eingeschränkt, dafür gibt es aber eine sehr große Zahl an Showelementen und weniger ernsthaften Figuren die mehr oder weniger nur für die Bühne gedacht sind.
Interpretation:
Der Tanz und die dazugehörige Musik ist eben aufgrund seiner Herkunft als typischer Tanz der Südstaatenbewohner so ausgelegt, dass er alle Schwermut vergessen machen soll. Mehr noch, er soll Trauer, Angst, Hoffnungslosigkeit in pure Energie und Ausgelassenheit verwandeln. Jive/Boogie/Swing und Blues, alles Tänze der Nachfahren der Südstaatensklaven sollen vom schweren Alltag befreien, sollten die harte Arbeit auf den Baumwollfeldern bei schlechter Bezahlung vergessen machen und den Menschen ein Mindestmaß an Lebensfreude zurückgeben. Kein Wunder das dieser Tanz seine Wurzeln bei jenen Menschen hat, die sogar Todesfälle feiern, weil eben dieser jemand alles Leid der Welt hinter sich hat und nun in eine vielleicht bessere Welt kommt. So kommt es, dass Jive viele ernsthafte dramaturgische Ansätze vermissen lässt. Ebenso spassig geht es auf der Tanzfläche zu. Während der Performance nimmt man sich selbst und den Partner möglichst wenig ernst, man ist ausgelassen und toll, veräppelt oder verführt sich ohne feste Regeln.
Technik:
Entgegen vieler Meinungen ist der Jive keinesfalls ein einfacher Tanz. Seine Technik ist anspruchsvoll und verlangt viel Training und Besinnung auf einfache Basics.
Die Fusstechnik des Jive ist nicht sehr einfach. Jeder Fuss wird zunächst auf dem Ballen angesetzt, bevor die Ferse abgesetzt wird. Das Gewicht bleibt dabei aber stets auf dem vorderen Teil des Fußes. Dies ermöglicht das Abfedern des Gewichtes und führt zu dem Bounce-Effekt. Beim Jive-Chassée wird der erste Schritt zunächst unter den Körper gestellt, bevor der nächste Schritt heranschließt. Der letzte Schritt zur Seite ist nun etwas grösser und nimmt das Gewicht voll auf. Die Hüfte wird dabei leicht nachgezogen. Im Jive gibt es praktisch keine Fersenschritte. Alle Schritte werden leicht und klein getanzt. Die Arme werden im Jive weit weniger bestimmt eingesetzt als dies in anderen Tänzen der Fall ist. Die Arme sollten aber frei beweglich sein. Nur bei manchen Folgen wie dem "Simple Spin" werden die Arme frei gehalten.
Die Haltung des Jive ist sehr ungezwungen und weniger aufrecht als bei anderen Standardtänzen. Das Paar steht in einigem Abstand zueinander, so dass ein Restraum zum Tanzen verbleibt.