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Der Paso Doble

Takt: 2/4 - Tempo: 62 TpM

Geschichte:

Die Geschichte des Paso Doble begann im Grunde genommen schon im 16. jahrhundert als der damalige spanische König Karl V. in Spanien deutsche Marschmusik hoffähig machte. Im Laufe der Jahrhunderte verwuchs diese Marschmusik mit spanischen und orientalischen Klängen, welche von den Mauren in Spanien hinterlassen wurden. Gleichzeitig entwickelte sich in Spanien die Tradition des Stierkampfes und häufig wurden für die Einmärsche der Matadoren spanische Märsche gespielt, die im Laufe der Zeit an Farbe und Ausdruckskraft gewannen. Erst zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurden die typischen Bewegungen und Elemente aus dem Stierkampf von französischen Hofchoreografen entdeckt und nach Frankreich gebracht. Dort galt, Spanien war ein Freund Frankreichs, alles spanische als chic und in, und man entwickelte den Paso doble, damals noch als Marsch und Paradetanz. Während Europa unter der Last des zweiten Weltkriegs zusammenzubrechen drohte wurde der Paso Doble im recht sicheren England entwickelt und zu seiner heutigen Form erweitert, und wurde 1945 als Erster Lateintanz in die Liste der offiziellen Turniertänze eingetragen. Seitdem hat der Paso Doble unter wachsender Beliebtheit zu kämpfen. Manche verehren ihn wegen seinem eindeutigem charismatischen Wesen, andere empfinden seine Schritte als wenig strukturiert oder schlicht und einfach als zu schwer. Auch hat der Paso Doble unter dem allgemein schlechten Image des Stierkampfes außerhalb Spaniens zu leiden, ist er doch kulturell eng mit ihm verbunden. Heute ist Paso Doble leider beinahe ausgestorben, wurde er 2005 nicht ohne Grund aus dem Welttanzprogramm ausradiert. Dennoch hat der Paso Doble viele Liebhaber und ist weiterhin ein Bestandteil eines jeden wichtigen Lateinturniers.

Stil:

Der Paso Doble ist ein spanischer Marschtanz mit vielen geraden und gelaufenen Bewegungen. Die meisten Turnierpaare tanzen dabei allerdings weniger nach einzelnen Figuren, als mehr zu festen Choreografien, die es dem Betrachter schwer machen, bekannte Bewegungen zu erkennen und zu verstehen. Der Paso Doble verarbeitet interpretatorisch gesehen die spanische Tradition des Stierkampfes. Dies äußert sich auf dem Parkett in langen marschierenden Gehphasen, schnellen Spins und Sequenzen, in denen sich die Tanzpartner umkreisen und passieren. Die Dame wird dabei oft als Tuch eingesetzt, sie kreist, dreht und wendet sich unter starker männlicher Führung vor ihm und neben ihm, wird hin und her gewedelt und geworfen. Ein typisches Element des Paso Doble sind Flamencoelemente, die obigen genannten Stierkampfstil auflockern und durch eigenartig anmutige Sequenzen ergänzen. Typische Figur im Paso Doble ist vielleicht das Chassé Cape, eine Figur, wo sich die Tanzpartner gleichmäßig fortbewegen, und die Dame ihren Herrn oft passiert. Es gibt im Paso Doble wie gesagt wenige klassische Figuren, dafür umso mehr an anspruchsvollerer, komplizierter Choreografie, die besonders fortgeschrittene Paare so lieben.

Interpretation:

Der Paso Doble behandelt in allen Motiven das Thema Stierkampf. Der Herr nimmt dabei freilich die Rolle des selbstsüchtigen, übertrieben stolzen Matadors ein. Interessanter ist die Rolle der Dame, die während des Tanzes vielfach hin und her wechseln kann. Besonders wichtig ist dabei die Rolle der Frau als Capa, als rotes Tuch, das den Stier anlocken soll. Der Matador schwingt sein Tuch stolz vor sich her, wirbelt damit herum, wickelt es sich um oder hält es weit von sich, je nach Situation. Die Dame wird wie dieses Tuch behandelt, und nimmt stets dessen Stellung ein, durch schnelle Drehungen, hohe Posen (Cape Lines) oder wirbelnde Bewegungen um den Herrn herum (Flamenco Twister, Chassé Capes, Fregolina). Ein zweiter Aspekt der Dame ist ihre Rolle als der Stier persönlich; dieser umkreist und attackiert den Matador um ihn immer wieder zu verfehlen. Die choreografischen Elemente sind dabei sehr vielseitig und werden oft vermischt. Moderne Choreografien lassen sogar eine Rolle der Dame als das Schwert des Matadors zu (Picador), aber diese Idee ist recht neu und nicht sehr weit verbreitet.

Technik:

Technik im Paso Doble ist rein tänzerisch gesehen ein Kapitel für sich. Technisch gesehen ist er den Standardtänzen näher als den Lateintänzen, choreographisch ist dies jedoch umgekehrt. Dies macht den Paso Doble zu einem reizvollen Gemisch. Für die Paso Doble Technik gibt es verschiedene Ansätze, wir konzentrieren uns auf die Version, wie sie in den meisten Tanzvereinen/ Tanzschulen unterrichtet wird.
Im Paso Doble werden alle Schritte ausserordentlich energisch und kraftvoll getanzt. Vorwärtsschritte sind meist groß und deshalb bis auf wenige Ausnahmen Fersenschritte, wie bei allen Marschtänzen auch. Dies ist untypisch für Lateintänze. Grundsätzlich fehlt diesem Tanz das Element des Hüftschwungs komplett. Alle Schritte werden klar direkt und ohne Hüftbetonung oder Verzögerung getanzt.
Die Armtechnik im Paso Doble ist sehr einzigartig und lässt sich schwer beschreiben, da ein jeder Trainer seinen eigenen Stil zu haben scheint und klare Definitionen fehlen. Grundsätzlich gilt, dass die Arme frei sind und fern des Körpers gehalten werden, ähnlich, wie dies in der Rumba und im Cha-Cha-Cha gemacht wird. Bei Drehungen und bei Posen kommt den Armen eine betonte Bedeutung zu. Oft muss die Dame ihre Arme tuchmässig bewegen um die Optik zu wahren.
Die Haltung im Paso Doble ist extrem aufrecht, vor allen Dingen für den Herrn, welches seine arrogante überhebliche Seite betonen soll. Dabei darf das aufrechte Stehen nicht durch ein Heben und Senken der Füße erzeugt werden, sondern durch ein Vorwärtsschieben des Beckens. Die Haltung ist standardähnlich, wird aber sehr variiert und oft aufgelöst.

 

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