Der Wiener Walzer
Takt: 3/4 oder 6/8 - Tempo: 58-60 TpM - Herkunft: Oesterreich
Geschichte:
Der Wiener Walzer gilt als der älteste und an sich vollkommendste alle Standardtänze. Seine Basis hatte er bereits in der zweiten hälfte des 19. Jahrhunderts in seiner Heimatstadt Wien. Berühmte Komponisten wie Johann Strauß und Tschaikovsky formten mit berühmten Liedern eine beliebte musikalische Grundlage. Bald darauf wurde der Tanz Ländler aufgegriffen und zu dieser neuen Musik getanzt, allerdings deutlich schneller als dies bisher der Fall war. Dadurch stieg der Anteil der Drehungen kontinuierlich und es wurde schließlich ein reiner Drehtanz geboren, dessen unaufhörliche Rotationen nur sehr streckenweise unterbrochen wurde. In Europa hatte dieser Tanz aber Probleme sich durchzusetzen. in England und in den USA wandelte man ihn schnell zum Boston ab, in Deutschland, wo Anfang der zwanziger Jahre berauschendere Tänze wie der Charleston oder die Rumba das Parkett eroberten, geriet er in Vergessenheit. Erst mit dem aufkommen der Nationalsozialisten wurde der Wiener Walzer als "typisch deutscher Tanz" wieder mehr Anerkennung zugesprochen. Aber den erneuten Durchbruch schaffte der Tanz erst Mitte der fünfziger, wo er vom berühmten Tanzlehrer Paul Krebs dem englischen Stil angepasst wurde, so dass er auch 1963 in das Welttanzprogramm aufgenommen wurde. Wiener Walzer gilt als der klassischte aller Paartänze, aber insbesondere in jüngeren Kreisen manchmal auch als altmodisch und wenig abwechslungsreich.
Stil:
Der Wiener Walzer ist der schwungsvollste aller Standardtänze. Dabei kommt es bei diesem Tanz gar nicht auf viele Figuren oder die Choreographie an, sondern vielmehr die Richtigkeit der Fußtechnik sowie die Klarheit in den Schulterlinien. Wiener Walzer wird unaufhörlich drehend getanzt, dabei werden Drehungen unterbrochen und die Richtung gewechselt. Bei fortgeschritteneren Paaren wird häufig ein Fleckerl getanzt, eine schnelle, stationäre Drehfigur. Mehr Figuren gibt es im herkömmlichen Sinne nicht. Zwar versuchen immer wieder Tanzverbände den Wiener Walzer mit neuen Ideen zu modernisieren, aber in Tänzerkreisen wird dies meist abgelehnt, weil dieser Tanz mit seinem schlichten und fröhlichen Charakter als beinahe vollkommen gilt.
Interpretation:
Wiener Walzer äußert sich mit schnellen Drehungen und schwungvollen Passagen als pendelartiger Tanz, und ist damit mit dem langsamen Walzer sehr eng verwandt. Da der Wiener Walzer aber unaufhörlich drehend getanzt wird, erhält er einen sehr feierlichen und berauschenden Charakter. Er gilt bis heute als der Balltanz schlechthin, er wird oftmals zu besonders festlichen Events gespielt.
Technik:
Die Technik dieses Tanzes ist wie bei allen Standardtänzen ziemlich anspruchsvoll. Insbesondere die geraden Schulterlinien und die Fußtechnik macht vielen Anfängern dabei zu schaffen. Der erste Schritt eines Taktes muss zuerst auf der Ferse angesetzt werden, der zweite Schritt hebt leicht und dreht den entsprechenden Umfang, der dritte schließt. Da diese Drehungen immer und immer wieder hintereinander getanzt werden ist die richtige Ausführung dieser Schritte sehr wichtig. Die Haltung entspricht der normalen Standardhaltung, die Dame "hängt" im Rahmen des Herren, steht aber selbstständig und frei. Die Schultern unterstützen die Drehbewegungen und werden leicht entsprechend geneigt, dürfen aber nicht zu stark betont werden.